Einen Stadtteil hässlich zu lassen, damit er billig bleibt, ist keine Lösung. Oder frei nach Goethe´s Zauberlehrling: die Geister die ich rief / werd´ ich nun nicht mehr los
Die Großstadt Málaga durchlebt -jedenfalls seit ich sie kenne- eine nicht zu stoppende Dynamik, eine scheinbar unaufhaltsame Wandlung einer verarmten Stadt hin zu einer der prosperierendsten Städte Spaniens.
Diese Erfolgsgeschichte wird unter anderem seit Jahrzehnten vom internationalen Tourismus angetrieben. Das liebliche Klima an der Costa del Sol zieht kapitalkräftige Leute an, die nicht wissen was tun mit all dem überschüssigen Geld, und hier ansässig werden möchten.
Diese Stadt ist einfach ideal, die Lage, das Hinterland, die großartigen Städte in der Nähe, die Infrastruktur, das Meer, der Lifestyle.
Stadtteile wie das “Ensanche” (heute SOHO), Cruz Verde oder Trinidad sind nicht mehr wieder zu erkennen: Wo Mitte der Neunziger noch der Duft toter Katzen durch die verlassenen Altbauen und Straßen wehte, sind ganze Häuserzeilen entstanden, die zu großen Teilen an Touristen vermietet werden. Die Straßen voller Kaffeehäuser und Restaurants, blonde Besucher säumen inzwischen das Stadtbild.
Inzwischen ist Málaga – dem weltweiten Trend folgend – unbezahlbar geworden. Ein großes Problem für ein gesundes Wachstum, wie können noch Studenten oder Fachkräfte nach Malaga gelockt werden, wenn sie sich keine Wohnung mehr leisten können? Wie können junge Malagueños ihre eigenen Familien gründen, die im Konkurrenzkampf mit den Besuchern den Kürzeren beim Thema Mietwohnungen ziehen?
Die Stimmen werden auch bei den immer geduldigen Andalusiern immer lauter, es gibt Massendemonstrationen für bezahlbaren Wohnraum und gegen die Entfremdung der Stadt.
Die Gentrifizierung geht inzwischen ohne Unterlass weiter, so z.B. im traditionellen “Stadtteil der Fischersleute” Perchel -sprich Pertschell-: Ein ganzer Häuserblock wurde 2022 vom Investmentfond Dazia Capital aus Madrid erworben, Eigentümer war bis dahin eine schwerreiche Familie aus Antequera. Kaum verkauft, wurden alle Mieter informiert, dass ihre Mietverträge nicht verlängert werden würden. Und sie doch bitte zeitnah ausziehen mögen. Dazu muss man wissen, dass hier meist einfache Leute lebten, zu preiswerten Mietkonditionen teils noch aus der Franco Diktatur. Für einen Bauträger ist die Gegend ein Filetstück, liegt sie doch stadt- und strandnah, Metrostation und S-Bahn um die Ecke, Altstadt und der Corte Inglés (Merke: El Corte inglés ist in Spanien eine Art Institution!) fast gegenüber.
Schnell entwickelte sich die Bewegung “El Perchel no se vende” (Stadtteil Perchel wird nicht verkauft) , die den Entmietungsprozess etwas verzögern aber nicht aufhalten konnte. Der redegewandte Bürgermeister Francisco de la Torre schaffte es zwar die Situation zu beruhigen, und mithilfe von Entschädigungszahlungen die Mieter “umzusiedeln”. Ob am Ende alle in vergleichbaren Stadtteilen leben dürfen sei mal dahingestellt. Im April 2025 startete der Abriss der Häuser.
Und was entsteht nun im Stadtviertel Perchel ? Wir werden uns überraschen lassen. Ich gehe allerdings davon aus, dass hier hochpreisige Wohnungen entstehen werden, gerne auch mit dem Zusatz “Luxus”. Gekauft werden diese Wohnungen dann eben von Leuten, die diese Preise zahlen können. Aus dem ehemaligen sehr einfachen Stadtteil Perchel wird dann ein weiteres teures Stadtviertel, mit den üblichen Einrichtungen, die wir aus anderen Stadtvierteln kennen: Franchise Restaurantketten, Fettpizza + Hamburger, Irish pubs und 24/7 Supermärkte. Und sehr internationale Bewohner. Denn letztere sind eben immer noch die, die sehr viel Geld mitbringen, und für die das inzwischen sehr teure Málaga immer noch preiswerter erscheint als Stockholm, Paris oder New York.
Wie kann man diesen Trend aufhalten? Diese Frage stellen sich Städtebauer seit Jahrzehnten. Das alles auf den Tourismus zu schieben, ist mir zu einfach: wir müssen uns eben fragen, was Málaga ohne all die Besucher und Immobilienkäufer wäre. Sicher billiger, aber wovon würden wir dann leben?
Die Vermietung von Ferienwohnungen wird derzeit stark unter die Lupe genommen, es scheint als wäre der (einzige?) Schuldige identifiziert. Neue VUT Lizenzen werden in Málaga bis 2028 nicht mehr erteilt. Weniger wird über die Entstehung neuer Hotels geredet (es sollen nur noch 4 und 5* Hotels entstehen), oder über den immer noch enormen und Leerstand von ganzen Häuserzeilen in der Stadt. Zweitwohnungen höher besteuern? Wohnungsbesitzer zur Vermietung zwingen um den spekulativen Leerstand zu beenden? Mehr sozialer Wohnungsbau? Wo ist der Staat, der in preiswerten Wohnraum investiert? Bei all den vielen Steuern, die in Spanien zu zahlen sind, erstaunt es schon, wie wenig der Staat hier in Erscheinung tritt. Die nicht erfüllten Aufgaben des Hochsteuerlandes Spanien werden vielmehr auf die private Wirtschaft umgewälzt.
Alles heikle Themen. Die Wachstumsdynamik soll möglichst nicht gestoppt werden, zusätzliche Wohnraum ist dringend erforderlich.
In Goethe´s Zauberlehrling ging es übrigens um ein ähnliches Thema: Der Zauberlehrling beschwört Geister (einen Besen) Wasser zu holen, vergisst jedoch den Befehl sie zu stoppen, nun drohte eine Überflutung. Gibt es Parallelen?
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